Geistliches Wort

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Man behauptet doch allen Ernstes, dass Jesus ein Streithahn gewesen ist. Glauben Sie nicht? Ich schon. Also nicht in dem Sinne, dass er ständig Streit gesucht hat, wegen irgendwelcher Nichtigkeiten. Weil sich einer beim Schlange stehen vorgedrängelt hat oder so… Aber für das, was ihm wichtig war, hat er durchaus gestritten. Einmal sagte er über sich selbst: „Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen! Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“
Das ist schon harter Tobak. Da muss man erstmal verdauen, finde ich. Immer wieder. Denn dieser Satz vernichtet das Bild vom lieben Jesulein. Es geht nicht um bloße Nettigkeiten. Jesus will diese Erde nicht ein bisschen friedlicher machen. Er will sie umkrempeln.
Sein Konzept lautete: alle Lieblosigkeit ausrotten. Also wirklich jede Ungerechtig-keit, die Menschen einander und der gesamten Schöpfung (den Tieren und der Natur) antun. Jede Form von Machtmissbrauch und leben auf Kosten anderer abzuschaffen. Genau darum geht es ihm, glaube ich. Keine friedliche Fassade, sondern ein Frieden mit Substanz.
Und wer so grundsätzlich etwas verändern will, der darf nicht jedem Streit aus dem Weg gehen. Jesus hat damit keine offenen Türen eingerannt. Klar, das kann man sich auch ganz gut vorstellen. Und so hieß es für Jesus eben: Streiten für das Leben. 
Jesus musste selbst üben, wie das geht. Für das Leben zu streiten. Eben selbst beim Streiten nicht in Lieblosigkeit und Selbstgerechtigkeit zu verfallen. Am Ende, am Kreuz also, da zeigt Jesus sehr eindrucksvoll, wie er das schafft: Streiten und lieben zugleich. Er blickt auf die, die ihn gefoltert, gedemütigt, gekreuzigt haben und betet für sie. Er legt sie Gott ans Herz.
Jetzt könnte man denken: Jesus ist total verrückt. Völlig von Sinnen. Aber im besten Sinne des Wortes. Abgerückt von dem, was alle so machen, alle so denken. Abgerückt vom Mainstream sozusagen.
Mal ehrlich: Dem Feind die andere Wange auch noch hinhalten – normal ist das nicht. Das war und das ist verrückt, wie Jesus gelebt hat. Ein Schritt neben der Spur nämlich, die alle gehen.
Doch Jesus hat sich entschieden, sich von Gott leiten zu lassen. Nicht von dem, was alle so tun. Und ich bin mir sicher: Nur selten war es die Stimme aus den Wolken, die ihm gesagt hat, wo es jetzt langgeht. Viel öfter waren es andere Menschen, von denen Jesus gelernt hat, wie Gott ist und was Gott will.

Ihm wurde klar, worauf es ankommt. Und worauf nicht. Nicht auf menschliche
Kategorien wie Herkunft, Geschlecht oder Religion zu achten. Es reicht, dass da ein Mensch ist, der nach Gott fragt. Glaubt. Glauben will. Das war für ihn ein echter Aha-Moment. Ein verrückter Moment. Denn selbst ein Jesus hat sich in seinen Ansichten verrücken lassen.
Ich finde: Wir brauchen auch heute verrückbare Menschen, ganz viele. Im Besten Fall bleiben wir alle bereit, dazuzulernen. Beweglich in Herz und Kopf. Das wünsche ich von ganzem Herzen.

Bleiben Sie Gott befohlen!


Ihr Pastor

Michael Jakob