Geistliches Wort

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Einen großen Teil unseres Lebens verbringen wir mit Warten: auf die Einschulung, auf den Führerschein, auf dem Bahnsteig oder dem Flughafen, auf die Verabredung mit Freunden. Wir warten darauf wieder gesund zu werden, endlich einen anderen Arbeitsplatz zu bekommen und wir warten auf den Ruhestand. Jeder kennt diese Wartezeiten, die oft an unserem Nervenkostüm zerren. Wann endlich werden wir bloß all die Sorgen los, die unser Leben belasten und uns nach unten ziehen?
Wir haben bald wieder Advent – schon wieder eine Wartezeit und zwar auf das Kommen des Menschensohnes Jesus Christus. Schon als Kinder konnten wir diese Wartezeit kaum aushalten, zählten die Tage, bis das Christkind kommt und Geschenke mitbringt, die Plätzchen und Lebkuchen auf den Tisch kommen, mit den Verwandten gefeiert wird. Jeder denkt wohl manchmal an diese Zeiten zurück, vielleicht auch mit ein wenig Wehmut, weil wir längst aus den Kinderschuhen herausgewachsen sind und die Leichtigkeit des Lebens oft nicht mehr in unserem Alltag finden.
War´s das dann schon?  Auf keinen Fall! Unser Blick auf diese Wartezeit hat sich gewandelt. Wer als Erwachsener noch immer eine Naschkatze ist, freut sich auch heute noch auf all die süßen Leckereien. Manche freuen sich im Advent auf An-deres: mehr zur Ruhe kommen, Stress und Hektik abschütteln, statt fernsehen ein gutes Buch lesen oder einfach nachdenken über das eigene Leben.
Vielleicht auch mal den Blick wagen auf die positiven Seiten unseres Lebens, die es ja auch gibt.
Wir sind seit Jahrzehnten verschont vom Krieg in Europa, wir gehören zu dem Teil der Erde, in dem kein Nahrungsmangel herrscht, wir leben nicht in einer Diktatur, dürfen unsere Meinung frank und frei aussprechen, sind medizinisch gut versorgt wie nur wenige Menschen auf der Welt. Unsere Kinder und Kindeskinder dürfen an einem  funktionierenden Schul- und Hochschulsystem teilhaben, fast jeder kann nach der Schule auch einen Ausbildungsplatz erhalten.
Warum dann an allem nörgeln, was nicht so ins Leben zu passen scheint?
Und dann grübelt so mancher, warum er oder sie eigentlich nicht so richtig glück-lich und zufrieden ist, warum es an allem immer etwas zu meckern und kritisieren gibt. Andere fallen in ein Loch, sind tief traurig und können manchmal nicht mehr genau sagen, woran das liegt. Die Menschen sind dann wir gelähmt – keine Freude an nichts und an niemandem!
Es fehlt etwas! Wir haben dann einen Mangel, der uns quält. Oft fehlt der Sinn. Und der Sinn, der unser Leben ausfüllen muss, ist verschwunden oder war noch nie so ganz da. Immer und immer sind dann Menschen auf der Suche, können aber selten konkret sagen, was der Sinn denn ist.
Man kann auch nicht so richtig darauf warten, weil man keinen klaren Gedanken mehr fassen kann.
Wo der Sinn fehlt, stellt sich ein Mangel ein, der seinen Ausdruck in der Sehnsucht findet. Wir sind dann sehn-süchtig. Uns treibt dann eine Sehn-Sucht um, die gestillt werden will, Genauer gesagt, die das braucht, was den Mangel an nicht Vorhandenem abschafft.
Und das sind keine materiellen Güter, denn sie können das Sehnsuchtsloch nicht stopfen, es ist wie ein Fass ohne Boden. Man kann nie genug rein schütten, immer taucht die Leere in uns wieder auf und das ganze „Sehnsuchtsspiel“ beginnt von Neuem. Das kann wirklich krank machen und den Menschen in tiefste Depressionen schicken. Dann wird es dunkler und dunkler und irgendwann sitzt man wie ein verängstigtes Häschen in einem Loch, aus dem man sich nicht mehr hervorwagt.
Das einzige was hilft, ist der Seele, unserem tiefsten Innern, unserem Selbst, wo der Kern unserer Persönlichkeit sich befindet, eine „Nahrung“ zu geben, die das Loch in uns zum Verschwinden bringt. Kein anderer Mensch kann uns einen Sinn schenken als sei er lediglich ein Gegenstand wie ein Apfel oder ein Stück Brot. Wenn man wirklich satt werden will, muss man sich selbst auf  die Suche begeben. Der Glaube an Gott gibt unserem Leben eine Tiefe wie nichts sonst in der Welt.
Gott ist immer nur einen Atemzug von uns entfernt. Wir können ihn ansprechen, wir können beten – auch mit anderen – und vielleicht kommt dann von weitem ein kleines Licht entgegen.
Man kann dieses Licht nicht festhalten, denn es bewegt sich immer vor uns her. Wir dürfen ihm folgen und dann erhält das Leben wieder eine Richtung.
Der Advent ist dazu eine gute Gelegenheit. Bei all dem Trubel, der uns meist er-fasst, können wir dennoch zur Ruhe kommen. Aber wir müssen diese Ruhe suchen. In den eigenen vier Wänden oder in der Kirche.
Eine Möglichkeit, die unsere Pfarreiengemeinschaft bietet, sind die Rorate-Messen um 6 Uhr morgens. Dann ist die Kirche dunkel, es brennen viele Kerzen und wir können gemeinsam auf das Wort Gottes hören und die Musik. Vielleicht wäre das eine gute Gelegenheit. Sie sind eingeladen!


Eine gute Adventszeit wünscht


Dr. Harald Müller-Baußmann, diac.