Grußwort Prof. Dr. Thomas Kremer

Archimandrit Dr. Thomas Kremer zum
Professor für Theologie des Christlichen Ostens berufen 

Liebe Gemeindemitglieder,
seit mehr als 17 Jahren bewohne ich nun schon das Pfarrhaus in Morscheid, während ich beruflich an ganz unterschiedlichen Orten tätig gewesen bin. In diesem Jahr habe ich mit dem Ruf an die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt als Professor für Theologie des Christlichen Ostens ein lange verfolgtes Ziel erreicht. Vielleicht darf ich Ihnen aus diesem Anlass den Weg meiner letzten Jahre einmal Revue passieren las-sen:
Von 2005 bis 2007 war ich während der Erstellung meiner Promotion zu einem For-schungsaufenthalt an der Universität Bamberg. 2008 bis 2010 arbeitete ich dann als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der „Biblischen Einleitung“ an der Theologischen Fakultät Trier, wo ich 2009 zum Doktor der Theologie promoviert wurde. Danach führte mich mein Weg an die Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen der Jesuiten nach Frankfurt a. M., wo ich von 2010 bis 2014 als wissenschaftlicher Assistent tätig war und vor allem biblische Sprachen (Hebräisch, Syrisch) unterrichte-te. 2014 habe ich zusätzlich die Vertretung des Professors für Kirchengeschichte des Altertums in Trier wahrgenommen. Danach wechselte ich nach Eichstätt, wo ich von 2014 bis 2016 Vizerektor des „Collegium Orientale“ war, des einzigen Priestersemi-nars für Seminaristen katholischer Ostkirchen sowie Priesterkandidaten aus der Or-thodoxie in Deutschland (www.collegium-orientale.de). In den Gottesdiensten unse-rer Pfarreien waren „die Orientalen“ ja durchaus gelegentlich sichtbar, wenn sie das Morscheider Pfarrhaus für einen Ausflug aufs Land nutzten. In dieser Zeit erfuhr ich 2015 eine hohe ostkirchliche Ehrung, als mich S. Sel. Patriarch Gregorios III. Laham zum Archimandriten der Melkitischen griechisch-katholischen Kirche erhob. (Archi-mandrit ist ursprünglich der Titel des Abtes eines Klosters, wird aber heute auch als Ehrentitel vergeben, allerdings nur an zölibatäre Priester.) Die Jahre 2016 bis 2018 konnte ich dank eines Forschungsstipendiums dazu nutzen, meine Habilitation sowie eine Reihe kleinerer wissenschaftlicher Arbeiten abzuschließen. 2017 wurde ich in Frankfurt a. M. habilitiert und erhielt dabei die Lehrbefugnis für die Fächer Patristik sowie alttestamentliche Einleitung und Exegese.
Seit dem 1. Oktober dieses Jahres bin ich nun erster Inhaber der Stiftungsprofessur Prinz Max von Sachsen des Bistums Eichstätt für Theologie des Christlichen Ostens an der Theologischen Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (www.ku.de/thf/christlicher-osten/). In dieser Funktion vertrete ich die gesamte ostkirchliche Theologie an der Eichstätter Universität und begleite insbesondere Seminaristen und junge Priester aus den verschiedenen Ostkirchen bei ihren Promo-tionsvorhaben. Daneben ist man als Professor immer in einer Reihe von Gremien und Forschungsgesellschaften tätig, etwa der Vereinigung der deutschen Syrologen, der Gesellschaft zum Studium des Christlichen Ostens (GSCO), der Forschungsstelle Christlicher Orient (Eichstätt) und schließlich dem Patristischen Zentrum Koinonia-Oriens e. V. (www.patristisches-zentrum.de), dessen Vorsitzender ich auch bin. Zudem bin ich Diözesanbeauftragter des Bistums Eichstätt für die Angehörigen der katholischen Ostkirchen.
In all den Jahren war und ist die Pfarreiengemeinschaft Morbach und das Morscheider Pfarrhaus so etwas wie mein „Base-Camp“ und auch meine Heimat geblieben, wofür ich sehr dankbar bin, zumal mein Elternhaus in Bitburg seit dem Tod meiner Mutter vermietet ist und seinen alten Charme verloren hat. Ich freue mich, dass ich diese Gelegenheit habe, die ich gerne nutze, um noch einmal in einer „normalen Pfarrei“ die Messe zu feiern, um mich in meiner Freizeit etwas zu erholen, und vor allem auch, um in den Semesterferien ungestört große Mengen an Vorlesungen und Vorträgen erarbeiten zu können. Seit 2013 verbringe ich zwar auch manche Zeit mit Pfarrvertretungen in der griechisch-katholischen Pfarrgemeinde Cargèse St. Spiridon auf der französischen Insel Korsika (vgl. die Facebook-Seite „Église grecque-catholique S. Spiridon, Cargèse“), aber ich hoffe, dass die Morbacher Pfarreien auch in Zukunft immer wieder etwas von meiner Anwesenheit profitieren können – insbesondere an Feiertagen – und auch, dass die Besuche der jungen orientalischen Priester und ihrer Familien als Bereicherung für die Pfarreien empfunden werden.
Für alle Unterstützung, die ich direkt oder indirekt auf meinem Weg von den hiesigen Pfarreien erfahren habe, möchte ich heute ein ganz herzliches „Vergelt’s Gott!“ sagen, namentlich und stellvertretend Pastor Karl-Josef Albrech und Pastor Michael Jakob, aber auch allen anderen, denen ich immer wieder begegne, denn ohne ein ebenso herzliches wie vertrauensvolles und unkompliziertes Miteinander ist eine solche „Konstruktion“ der Einbindung eines inzwischen quasi ehrenamtlich tätigen Priesters nicht realisierbar.
Wenn man in den östlichen Kirchen jemanden gratuliert oder etwas Gutes und reichen Segen wünschen möchte, so heißt der Wunsch: „Χρόνια πολλά! – Auf viele Jahre!“ Das wünsche ich meinerseits allen Angehörigen der Morbacher Gemeinden – auch über die denkwürdigen Pläne für 2020 hinaus – und hoffe, dass dies auch für unser Miteinander gilt.

Es grüßt Sie herzlich und wünscht „Auf viele Jahre!“

Ihr Prof. Dr. Thomas Kremer