Renovierung der Kirchen St. Johannes der Täufer Hinzerath und St. Wendalinus Riedenburg

Filialkirche St. Johannes der Täufer in Hinzerath

Seit einigen Wochen ist die historische Kirche in Hinzerath eingerüstet und die ers-ten Arbeiten haben bereits begonnen. Aus diesem Anlass möchten wir hier die Be-deutung dieses Gotteshauses mit einem Artikel von Heribert Boor (Hinzerath) allen Freunden dieser Kirche näherbringen. Der Aufsatz ist 1996 im „Hinzerather Ku-ckucksblatt“ veröffentlicht worden. Wir werden hier nur einen Teil dokumentieren, die Fortsetzung erfolgt in der nächsten Pfarrbriefausgabe. 
 
Geschichte der alten Kirche zu Hinzerath 
„Das Wahrzeichen des Dorfes Hinzerath ist die in der Ortsmitte alte Kirche. Nach einer gründlichen Außenrenovierung vor acht Jahren (1988) stellt sie sich wieder in ihrer schmucken Einfachheit dar. 
Seit im Jahre 1958 die neue Kirche fertiggestellt war, fanden in der alten Kirche keine Gottesdienste mehr statt, und sie wurde dem allmählichen Verfall überlassen. Durch das undichte Dach eindringender Regen und aufsteigende Feuchtigkeit hät-ten sehr bald zu irreparablen Schäden an der Bausubstanz geführt. Nach mehreren Anläufen konnte 1984 die endgültige Unterschutzstellung des Gotteshauses er-reicht und damit der beabsichtigte Abriss verhindert werden. Mit Zuschüssen des Bistums, des Landesamtes für Denkmalpflege, des Landkreises und der Gemeinde konnte der Bestand des denkmalgeschützten Kirchleins durch eine gründliche Au-ßenrenovierung gesichert werden. Seitdem erfreut sie in ihrer ortstypischen Ein-fachheit wieder Einheimische und Besucher unseres Dorfes. 
 
 
Was ist über die alte Kirche von Hinzerath bekannt, und was ist an ihr erhaltenswert? 
Am 6. September 1569 führte der Trierer Erzbischof eine Visitation in ‚Drona Epis-copi‘ (Bischofsdhron) durch. Der Bericht über seinen Besuch in der Pfarrei, die mit ihren Filialen ‚Mörbach‘ (Morbach), ‚Heyntzerod‘ (Heinzerath), Merscheid, ‚Gun-tzerod‘ (Gonzerath), ‚Hontheim‘ (Hundheim), ‚Wederoidt‘ (Wederath), ‚Raperait‘ (Rapperath) seit 1315 durch eine Schenkung des Erzbischofs und Kurfürsten Balduin dem Stift zu Pfalzel gehörte, gibt interessante Aufschlüsse über die Besitzverhält-nisse der Kirche und die Dotierung  der Pfarrer. Die Pfarrei besaß 12 Morgen Acker-land, dessen Ertrag dem Pfarrer zustand, einen Garten, eine Scheune und ein (bau-fälliges) Pfarrhaus. Dazu erhielt er in Bischofsdhron und Wenigerath  1/3 des Zehn-ten, das waren sechs Malter Korn, sechs Malter Hafer und vier Fuder Heu. Von Hundheim erhielt er für eine Messe pro Woche zwei Fuder Heu aus den Kirchwiesen und von jeder Familie ein Viertel Korn und Hafer. 
Auch eine Kapelle des Hl. Petrus zu ‚Hentzeraidt‘ (Hinzerath) findet in diesem Visita-tionsbericht Erwähnung. Sie war mit zwei Altären ausgestattet und besaß zwei Kelche; ein Sakramentsschrein diente zur Aufbewahrung des Allerheiligsten. Jede zweite Woche wurde in Hinzerath eine Messe gelesen, was dem Pfarrer von Bi-schofsdhron mit ‚3fl‘, also mit drei Gulden vergütet wurde. 
Hinweise auf die Einwohnerzahl Hinzeraths ergeben sich aus den Steuerlisten des kurfürstlichen Amtmanns auf der Baldenau. In diesen Listen sind zwar nicht alle Personen, sondern nur die Haushaltsvorstände namentlich erfaßt; es werden also die ‚Feuerstellen‘ gezählt. Nach der Steuerliste des Jahres 1624 lebten zu diesem Zeitpunkt 17 Familien in Hinzerath, was bei der damals üblichen Kinderzahl und dem Zusammenleben mehrerer Generationen in einem Haushalt durchaus auf eine Ein-wohnerzahl von 250 bis 300 schließen läßt. 
Das Jahr 1640 bedeutet für Hinzerath und Wederath das Aus: beide Dörfer gehen völlig in Flammen auf. Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) hat auch auf dem Huns-rück Tod, Krankheit und Zerstörung gebracht. Die Ruinen der Häuser sind auch 14 Jahre später noch menschenleer. Die Steuerlisten von 1651, also drei Jahre nach Kriegsende, weisen Hinzerath als vollkommen zerstört und noch nicht bewohnt aus.“ 
 
„Der Visitationsbericht des Jahres 1669 verzeichnet eine neuerbaute Kirche in Hin-zerath, die dem Hl. Johannes des Täufers geweiht ist. Sieben Familien haben sie mit ihren äußerst bescheidenen Mitteln errichtet. Das Bauvorhaben scheint die finanzi-ellen Möglichkeiten der Bewohner bei weitem überstiegen zu haben, denn noch der Visitationsbericht des Jahres 1684 verzeichnet, dass wegen fehlender Gelder die Fortsetzung der Arbeit stocke und weder Altäre noch Paramente vorhanden seien. Gleichwohl aber hat die Kirche von Hinzerath schon im Jahre nach ihrer Errichtung zwei Glocken besessen, die am 04. Mai 1670 von Faustinus Brandt, dem ‚Guardian‘ des Bernkasteler Kapuzinerklosters ‚zu Ehren der Hl. Dreifaltigkeit‘ bzw. ‚zu Ehren der Gottesmutter‘ getauft wurden. Die erstgenannte (es war die größere von bei-den) wurde im 1. Weltkrieg zur Herstellung von Waffen und Munition eingeschmol-zen, die andere wurde1926 umgegossen und befindet sich noch im Glockenturm. Dieser ist als vierseitig verschieferter Dachreiter mit achtseitiger, gerader Spitze ausgebildet. Die Kirche selbst ist ein Bruchsteinbau der in Saalform mit dreiseitigem Chorschluss errichtet wurde. Je drei Flachbogenfenster finden sich an den Längssei-ten, je eines an den Chorschrägen. Die Giebelseite des Westen ist durch den sym-metrisch angeordneten Eingang sowie ein profiliertes Gesims und ein darüberlie-gendes halbrundes „Lünettenfenster“ aufgegliedert. 
Im Sockelbereich des schlichten Gotteshauses kommen ältere Ornamente zum Vorschein, die später mehrmals übermalt wurden. 
Auf der rechten Seite des Chores findet sich eine 75 cm breite und 125 cm hohe Sakramentsnische mit einer spitzbogigen Sandsteinumrahmung und einen inneren Kleeblattbogen, dessen Nasen in einem Kopf enden. Diese Sakramentsnische aus dem späten 15. Jahrhundert ist wohl als einziges verwertbares Überbleibsel aus der zerstörten Vorgängerkirche, die dem Hl. Petrus geweiht war, übernommen wor-den. 
Als besonders wertvoll wird die Empore an der Westseite der Kirche angesehen. Sie stammt aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts und ist wohl gleich bei der Neuer-richtung der Kirche eingebaut worden. 
Auf zwei nach oben stark verjüngten Holzpfosten mit bogenartige ausgeschnitte-nen Knaggen und Sattelhölzern ruht die schwere, gediegene Eichenkonstruktion. 
Die barocke Emporbrüstung verwendet spätgotische Ornamente. Sie besteht aus Fischblasenmaßwerk. Auch der Altar und die Kanzel stammen aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts und scheinen bald nach der Visitation von 1684 eingebaut worden zu sein. Der Aufbau des Altares verbindet barocke und klassizistische Elemente. Die Holzkanzel ruht auf einer gedrehten Säule und ist mit Weinlaubranken verziert… Im November 1995 wurden im Rahmen einer Ortsbesichtigung die notwendigen Reno-vierungsarbeiten aufgelistet. Zuschüsse des Bistums, des Landesamtes für Denk-malpflege, des Landkreises und der Gemeinde setzen noch einen beachtlichen Ei-genantleil voraus. Um diesen zu beschaffen, ist die Gründung eines gemeinnützigen Fördervereins geplant, der durch Beiträge und Spenden die erforderlichen Geldmit-tel bereitstellen will. Das Interesse an der Erhaltung und Instandsetzung der alten Kirche ist bei den Bewohnern Hinzeraths, aber auch bei vielen ehemaligen Hin-zerathern vorhanden; denn sie verbinden viele Erinnerungen mit diesem Gotteshaus.  
 
(Aufsatz von Heribert Boor (Hinzerath) aus „Hinzerather Kuckucksblatt“ von 1996)
 
 
 
 

Filialkirche St. Wendalinus in Morscheid-Riedenburg

Die Restaurierungsmaßnahmen an der Kapelle in Riedenburg sind weitgehend ab-geschlossen. Nur noch wenige Arbeiten müssen in den kommenden Wochen ausge-führt werden. Dennoch lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau sagen, wann alles fertiggestellt ist. Jedenfalls sind wir dankbar, dass in Zeiten immer knap-per werdender Finanzmittel das Bistum Trier uns mit einem großzügigen Zuschuss die Wiederherstellung der Kapelle (nach dem Blitzeinschlag) ermöglicht hat. 
Als am 01. Juni 2018 aufgrund eines starken Unwetters der Blitz in die Turmspitze der Kapelle in Riedenburg einschlug, wurde hierbei der Kirchturm stark geschädigt und die komplette Elektroinstallation durch Überspannung zerstört. Von der Kath. Kirchengemeinde wurde daraufhin die Regulierung der vorhandenen Brand-/Blitzeinschlagsschäden angestrebt. Nach langen Verhandlungen sowohl mit der Bau- und Immobilienabteilung als auch mit dem Leistungszentrum des Bischöfli-chen Generalvikariates wurde die Genehmigung und Bezuschussung zur Wiederher-stellung der Kapelle durch das Bistum erteilt.  
 
 
Folgende Maßnahmen standen bei der Sanierung der Kapelle im Fokus: 
 
Einrüstung des Gebäudes mit einem Arbeits- und Schutzgerüst 
Zimmermannsmäßige Sanierung und statische Ertüchtigung der geschädig-ten Turmhelmkonstruktion 
Erneuerung der Schieferdacheindeckung im Bereich der Turmhelmkon-struktion inkl. Kirchenschiff/Apsis 
Erneuerung des Blitzschutzes 
Restaurierung Kirchturmkreuz inkl. Wetterhahn 
Erneuerung der durch Überspannung zerstörten Elektroinstallation 
Durchführung erforderlicher Maßnahmen im Bereich der vorhandenen Läu-teanlage/-motoren 
Herstellung erforderlicher Steig-, Steh- und Gehmöglichkeiten zur Erschlie-ßung des Dachraums und Turmhelms 
Zimmermannsmäßige Sanierung und statische Ertüchtigung der vorh. Dachkonstruktion (Kirchenschiff/Apsis) nach Erfordernis 
Durchführung erforderlicher Holzschutz- und Holzschädlingsbekämpfungs-maßnahmen 
Durchführung erforderlicher Maßnahmen im Bereich des Glockenstuhls und Geläut 
Sanierung geschädigter Pfettenauflager (Kirchturm/Schiff) 
Erneuerung Dacheindeckung Kirchenschiff inkl. Apsis 
Restauration der vorh. Apsisbekrönung 
Einbau Brandschott zwischen dem Dachraum über Kirchenschiff und Turm-schaft 
Einbau Brandschott zwischen Empore und Dachraum über Kirchenschiff 
Einbau/Ergänzung der vorh. Turm- und Dachbeleuchtung 
Freilegung schadhafter Sockelzone und Herstellung fachgerechter Verti-kalabdichtung 
Sanierung vorh. Feuchteschäden im Innenbereich des Gebäudes 
Durchführung erforderlicher Putz- und Risssanierungsmaßnahmen 
Abbeizen vorh. Dispersionsfarbe im Bereich der Außenfassade sowie der Innenraumschale 
Herstellung eines neuen, mineralischen Farbanstrich im Bereich der Außen-fassade sowie der Innenraumschale 
Einrüstung des Innenraumes mit einem Raumgerüst 
Erhöhung der vorh. Emporenkonstruktion 
Erhöhung des vorh. Brüstungsgeländers im Bereich der Emporentreppe 
Montage seitlicher Absturzsicherungen im Bereich der Kirchenfenster (Em-pore) 
Überarbeitung Holzfußboden Empore und Holztreppe 
 
Wir hoffen, dass wir in der nächsten Pfarrbriefausgabe dann auch verbindlich mitteilen können, wann der erste Gottesdienst in der renovierten Kapelle St. Wendalinus wieder gefeiert werden kann.