Die Reform der Bistumsreform

Im Sommer letzten Jahres kam die Nachricht wie ein Tsunami: Die Bistumsreform ist geplatzt. Nachdem die Pfarreienreform im November 2019 durch die römische Kurie vorerst gestoppt wurde, galt es, für die Umsetzung der Synodenergebnisse nach neuen Wegen zu suchen – und zwar solche, die von allen Beteiligten gegangen werden können. Nun liegen seit Ende letzten Jahres neue Konzepte auf dem Tisch. Was im Einzelnen geplant ist, möchte ich hier kurz skizzieren: 
Die neuen Pfarreien werden nicht in den geplanten großen Räumen als „XXL Pfarreien“ errichtet. Stattdessen wird es einen sogenannten „Pastoralen Raum“ geben, in dem mehrere Pfarreien zusammen arbeiten werden. 
Spätestens bis zum Jahr 2025 soll dies umgesetzt sein. So steht es in einem bischöflichen Schreiben an alle Gläubige des Bistums Trier, das vor einigen Wochen veröffentlicht wurde. 
Ziel ist es, 35 große „Pastorale Räume“ zu bilden, zuvor sollen die Kirchenge-meinden in den 172 bestehenden Pfarreiengemeinschaften des Bistums noch fusionieren. 
Der früheste Termin für eine Fusion ist der 1. Januar 2022, der späteste Termin wird 2025 sein. Bis dahin sollen sich alle neuen Pfarreien im Bistum gebildet haben. 
Für uns hieße es, dass die Pfarreiengemeinschaft Morbach in einer neuen „Pfarrei Morbach“ aufgehen würde. Sie bestünde dann aus den bereits drei bekannten Pfarrgemeinden Morbach, Bischofsdhron und Morscheid mit den dazugehörigen Kirchen. Diese neue Pfarrei hätte dann nur noch einen Pfarrgemeinderat und einen Verwaltungsrat. In den Gremien sollten aber – wie bisher – jeweils Mitglieder aus allen beteiligten Orten vertreten sein, damit auch an alle gedacht wird. Die Administration der bisherigen Pfarreien würde dann vom gemeinsamen Verwaltungsrat wahrgenommen. Zweckgebundene Vermögen blieben erhalten. Freie Rücklagen würden zusammengeführt. 
Was bisher das Dekanat war, wird bis dahin dann auch zum sogenannten "Pastoralen Raum" umgestaltet, in dem über die Pfarreigrenze hinweg zusammengearbeitet werden soll. Dieser ist dann gleichsam der "Kirchengemeindeverband", der zugleich auch Anstellungsträger für alle kirchlichen Mitarbeiter*innen ist. Auf diesem Wege würden die Strukturen an einen absehbaren Rückgang an hauptamtliche Mitarbeiter*innen in den Gemeinden sowie einer allgemeinen Abnahme des kirchlichen Lebens angepasst und die Verwaltung vereinfacht werden.
Das Jahr 2021 dient hierzu als Orientierungsjahr. Pfarreiengemeinschaften, die zeitnah Fusionsbereitschaft zeigen, können bereits zum ersten Termin schon starten, wo aber noch Gesprächsbedarf gibt, wird ein Zeitraum von maximal vier Jahren zur Klärung eingeräumt, das entspricht einer Amtszeit des Pfarrgemeinde- und Verwaltungsrates. 
Da die Übergangsmandate der jetzigen Pfarrgemeinderäte zum Ende des Jahres auslaufen, wird es im November 2021 eine Neuwahl der Räte geben. Das heißt: Wir wählen auf jeden Fall den Pfarrgemeinderat und in der Folge den Verwaltungsrat. 
Ab wann wir aber miteinander eine Pfarrei Morbach bilden, ist noch offen. Das wird Gesprächsgegenstand einer gemeinsamen Beratung aller Gremien (Verwaltungs- und Pfarrgemeinderäte der Pfarreiengemeinschaft Morbach) sein, sobald die Corona-Lage wieder gemeinsame Zusammenkünfte zulässt.
 
Man muss keine Scheuklappen haben, um zu erkennen, wie die momentane Grundsituation der Kirche ist. Durch Entfremdungsprozesse und einem großen Vertrauensverlust ist Misstrauen entstanden und wurde Glaubwürdigkeit verspielt. Um dem Schrumpfungsprozess der Kirchen entgegenzuwirken ist eine Reform unbedingt notwendig, damit sich wieder engagierte Frauen und Männer, Kinder und Jugendliche der aktiven Mitarbeit und dem Gottesdienstbesuch zuwenden. Andernfalls wird die Kirche – schneller als gedacht – noch kleiner werden. 
Im Großen und Ganzen kommen eine Menge Aufgaben auf uns zu, aber ich glaube, dass unterm Strich die Reform der Bistumsreform für alle verständlicher ist. 
 
Den Brief des Bischofs zur Pfarreienreform finden Sie unter www.bistum-trier.de (Stichwort: Nachsynodales Schreiben an die Gläubigen im Bistum Trier vom 03. März 2021) 
 
Es grüßt Sie Ihr Pastor 
 
Michael Jakob