Geistliches Wort

Liebe Pfarrangehörige, 
obwohl das Jahr bereits begonnen hat, so dürfen wir uns immer noch, wenn wir uns begegnen, auch viel Gutes wünschen. Manche fügen ihrem Neujahrswunsch sogar noch etwas hinzu: Sie wünschen dem anderen den Segen Gottes. Damit bringen sie zum Ausdruck, dass Gott für sie eine wichtige Rolle bei allen Bemü-hungen spielt. Denn nur aus sich allein kann keiner leben. Man braucht eine Basis, die einen trägt und frei macht, damit man offen und mit Mut nach vorne weiter-gehen kann. 
Mögen die Tage der Stille und des Nachdenkens, die uns mit jedem Jahreswechsel beschert sind, auch eine Zeit werden, bei uns selbst einzukehren, Bilanz zu ziehen. Oder so eine Art Inventur für sich persönlich durchzuführen. Hinunter zu steigen in eine der Herzkammern oder hinauf ins Oberstübchen, um zu zählen, was da noch an Hoffnung herumsteht, wie viel verschiedene Ängste sich im Regal türmen, wie viel Träume uns geblieben sind. Nachzuschauen, wie viel Liebe, wie viel Hass, wie viel Schuld und Enttäuschungen, wie viel Freude, Lebensmut, Kreativität und Glaube vorhanden sind.
Das gilt besonders für all die Ereignisse, die im vergangenen Jahr bei jedem von uns wichtig oder mitunter sehr einschneidend waren und Spuren in den Herzen hinterlassen haben. Jedem einzelnen von uns gehen viele Erinnerungen und Ge-danken durch den Kopf. 
Und wenn jemand bei dem Versuch, in solcher Weise Bilanz zu ziehen, zu dem Ergebnis kommt: Ich habe ein sehr schweres Jahr hinter mir, meine Pläne sind mir zerronnen, ich habe einen bitteren Abschied nehmen müssen, ich habe soviel ge-weint, wie schon lange nicht mehr - dann möchte ich ihm sagen: Auch dies ist Menschenleben!  Auch auf deinen Schmerz hat Gott sich eingelassen, auch dein Dunkel soll sich in Licht verwandeln. Was du erlebst, sind Schmerzen, aber es sind die Schmerzen einer neuen Geburt, in denen sich für dich neues Leben ankündigt. 
Genau wie die Bäume, die jetzt draußen kahl im Wind stehen, sie haben auch alle ihre Blätter loslassen müssen; aber nicht dazu, dass sie auf ewig kahl bleiben, sondern um Platz zu schaffen für ein neues Blühen und ein neues Fruchtbringen, denn die Zeit des Lebens geht weiter und bleibt nicht stehen. 
Umso wichtiger ist es, sich auch zu fragen: Mit welcher Sicht gehe ich ins neue Jahr hinein? Was wird es bringen?
 
Nun hat das neue Jahr für uns alle mit ganz viel guten Wünschen und vielleicht auch mit so manchen Vorsätzen begonnen. So vieles soll anders und besser wer-den. Das betrifft natürlich akut das Ende des Lockdowns und hoffentlich bald auch das Ende der gesamten Gefährdung durch den Corona-Virus. Aber wirkliche Ver-änderung muss auch von innen kommen. Äußere Maßnahmen allein reichen nicht immer aus. Es braucht also einen Gesinnungswandel, einen Perspektivwechsel, ein wirkliches Umdenken.  
Wäre es nicht tröstlich, sicher zu wissen, dass ab jetzt alles wieder aufwärts geht? Dass die Impfung eine Wende im Kampf gegen das Coronavirus bringt, dass wir einzeln und als Gesellschaft aufatmen können, weil die Wissenschaft das Virus 
„in den Griff bekommt“ und beherrschen kann? All das wissen wir aber nicht. Wir hoffen es. Ob wir aber mit Sorge oder mit Vertrauen in die Zukunft blicken, das bleibt ganz allein unsere Entscheidung. 
 
Daher wünsche ich Ihnen ganz viel Vertrauen und Gottes Segen für das neue Jahr 2021. 
 
 
Ihr 
 
 
Pastor Michael Jakob