Renovierung Kirche Riedenburg

Am 01. Juni 2018 ist aufgrund eines starken Unwetters der Blitz in die Turmspitze der kath. Kirche in Riedenburg eingeschlagen. Hierbei wurde der Kirchturm stark beschädigt und die komplette Elektroinstallation durch die Überspannung zerstört. Einen ersten Überblick über die örtlichen Schäden und Mängel sowie den notwendigen Sanierungsbedarf gibt ein Aktenvermerk des zuständigen Regionalingenieurs des Bistums Trier. 
Am 27. Juni 2019 fand daher im Bischöflichen Generalvikariat ein Gespräch zur Erhaltung der Kirche St. Wendalinus in Morscheid-Riedenburg statt. An dieser Konfe-renz nahmen Vertreter des Bischöflichen Generalvikariates (Bau- und Finanzabtei-lung), Vertreter der Rendantur Wittlich (Geschäftsstelle der Kirchengemeinden) und Vertreter der Pfarrgemeinde Morscheid teil.  
 
Sowohl im Vorfeld zu dieser Sitzung als auch im Nachgang wurde von mir eine Stellungnahme zur Erhaltung der Kapelle in Riedenburg verfasst, die ich wie folgt in ihren wichtigsten Aussagen zusammenfassen möchte.
Bei mittlerweile vielen Kirchengebäuden unseres Bistum Trier wird gefragt, ob Nutzung und Belastung in einem angemessenen Verhältnis zueinanderstehen. Wenn solche Überlegungen auftauchen, ist es aber auch wichtig, sich die große Orientie-rungsbedeutung unserer Kirchengebäuden weit über die engeren Grenzen der Gemeinden hinaus vor Augen zu halten. 
 
Die Kapelle in Morscheid-Riedenburg nur Gottesdienstbesuchern zuzuordnen, greift für mich zu kurz. Diese und viele andere Kirchen unserer Pfarreiengemeinschaft haben ihren Ort mitten im Dorf, strukturieren und prägen das Landschaftsbild, sie verbinden die Zeiten miteinander und werden noch von vielen Menschen aufgesucht. So gehört St. Wendalinus in Riedenburg mit anderen Kirchen unserer Pfarrei-engemeinschaft zum unverwechselbaren Erscheinungsbild unserer Ortsteile. Als von weither sichtbarer Orientierungspunkt prägt diese Kapelle mit vielen anderen Kirchen die Landschaft des Hunsrücks und bezeugt öffentlich die Bedeutung des Christentums in unserer Heimat. 
Sie sind aber auch sichtbarer Ausdruck der sozialen Gemeinschaft unserer Dörfer und damit wichtige Zeugnisse der kulturellen Überlieferung und des Brauchtums. Aus diesem Grund plädiere ich dafür, dass die ortsbildprägende Kapelle in Rieden-burg unbedingt für kommende Generationen erhalten werden muss. Eine gute Möglichkeit wäre, die Kapelle einer erweiterten Nutzung zukommen zu lassen, also als Ort zu verstehen, der dazu herausfordert, die Gemeinschaft zu suchen, das sozi-ale Miteinander zu fördern, die Feier zu achten und die Geschichte wie das eigene Leben zu bedenken. 
Eine solche erweiterte Nutzung von Kirchengebäuden über ihre gottesdienstliche Funktion hinaus ist in Zeiten sinkender finanzieller Ressourcen die beste Vorsorge für ihren dauerhaften Erhalt. Es gibt bereits viele Beispiele von hervorragend sanierten Dorfkirchen, die mit verschiedenen Fördermitteln den Anforderungen ihrer neuen Nutzung gerecht werden.
 
Der Fantasie und Kreativität sollten bei solchen Umwandlungskonzepten nicht vor-schnell Grenzen gesetzt werden. Ein bisschen Mut tut hier gut. Theologisch sollten wir daher Abschied nehmen von einem einseitigen Verständnis des Kirchenraumes im Sinne einer monofunktionalen Sakralität. Eine „offene“ Kirche kann überzeugendes Zeichen für die „Kirche in der Welt von heute“ sein, ganz besonders mit Blick auf die Umsetzung der Synodenbeschlüsse. 
Es besteht nicht die Gefahr, dass sie dabei ihre zentrale Funktion als Ort für Gebet und Liturgie verliert, sondern es könnte hier eine Kirche entstehen für Sonntag und Alltag, für Glaube und Leben. Denn unsere Kirchen waren im Laufe der Geschichte nicht nur Orte des Gebets, sondern immer auch Orte zur Förderung des sozialen Miteinanders.
Eine wichtige Voraussetzung für einen solch gelingenden Lebensraum für Generati-onen ist eine Vernetzung sowohl mit den kulturellen bzw. sozialen Institutionen als auch den Bildungseinrichtungen und den örtlichen Vereinen einer Gemeinde notwendig.  
 
Die folgende Auflistung beschreibt ein mögliches Konzept für eine kulturell genutz-te Kirche in Riedenburg.  
Folgende Veranstaltungen könnten neben den verschiedenen Gottesdiensten im Kirchengebäude zusätzlich stattfinden: 
- Filmvorführungen 
- Buch- und Autorenlesungen bzw. Konzerte 
- Krippen- und Kunstaustellungen resp. Vernissage  
- Versammlungen verschiedener Art (auch Gesprächskreise mit anschl. gemütlichen Beisammensein) 
 
In einem beteiligungsorientierten Prozess zusammen mit Vertretern der Dorfgemeinschaft (Ortsbeirat), der Kirchengemeinde und des Bistums Trier könnten somit die nachstehenden Ziele verwirklicht werden:  
1. Sanierung der Kirche für eine erweiterte Nutzung  
2. Vielfältige Nutzung durch alle Generationen 
3. Stärkung der Dorfgemeinschaft 
4. Förderung des ehrenamtlichen Engagements 
5. Stärkung des Zusammenhalts am Ort und zugleich eine tiefere Identifikation mit der gemeinschaftsstiftenden Kirche. 
6. Diese historische Kirche St. Wendalinus ist ein absolutes Kleinod und mit ihrer Sanierung wird ein wertvolles Kulturgut für die nachkommende Generation erhalten. 
 
Zunächst wird aber als 1. Bauabschnitt und als Sicherungsmaßnahme mit der Außensanierung begonnen. Das Bistum hat hierfür bereits den Genehmigungs- und Bewilligungsbescheid erteilt. 
 
In der Hoffnung auf weitere gute Gespräche und lösungsorientierte Ansätze verbleibe ich 
 
 
Michael Jakob, Pastor 
 

 

Bild: Hermann Bohn