Hinzerath - Zwei Kirchen im Dorf

Zur Geschichte eines Ortes gehören auch religiöse Aspekte. Sagen, Wegkreuze, Kapellen, Friedhöfe und Kirchen vermitteln einen Einblick in das Wesen eines Dorfes. Die „Sage vom Grauen Kreuz im Idarwald“ ist, in vHinzerath - St. Johannes der Tufer Kirche - 1669 erbauterschieden gestalteten Versionen, weit über den Morbacher Raum hinaus bekannt. Weitere Kreuze, auch auf dem sehr gepflegten Hinzerather Friedhof, weisen in längst vergangene Zeiten zurück. Die bereits erwähnten beiden Kirchen können noch wesentlich mehr über Hinzerath erzählen: Hinzerath kam nach dem Zweiten Weltkrieg zur neugebildeten Pfarrei Wederath-Hinzerath als Filiale, und 1949 wurde in Hinzerath ein neues Pfarrhaus errichtet. Wenn die Schulchronik schon 1884 ein „Pfarrhaus“ in Hinzerath erwähnt, so dürfte es sich um eine ehemalige Vikarswohnung handeln.

Wegen der kleinen Kapelle von 1669 wurde dieser Neubau nicht nur als modern, sondern auch als „eigenwillig“ bezeichnet. - das Gebäude spricht den Betrachter von außen kaum an. Einen gänzlich anderen Eindruck vermittelt aber das Kircheninnere. Vor allem die Fenstergestaltung - vom Kunstmaler W. Bettendorf entworfen, von der Glasmalerei Kaschenbach/Trier ausgeführt - zeigt in ihrer Motivvielfalt und Farbgebung ein klares Konzept, wobei im Altarbereich die Darstellung der Musik dominiert.

Die einzelnen Fenster wurden von Privatpersonen, vom Hinzerather Mütterverein, aber auch vom ehemaligen Bundestagspräsidenten, Dr. Gerstenmaier, der in der Nähe des Dorfes ein Feriendomizil hatte, gestiftet. Hinzerath - St. Johannes der Tufer Kirche - 1958 erbautErstaunlich ist die Tatsache, dass schon einige Jahre vor den Reformen des II. Vatikanischen Konzils der Altar von der Chorwand gelöst aufgestellt wurde, so dass die spätere liturgische Neuerung - Hinwendung des Priesters zur Gemeinde - ohne Umbauten ermöglicht wurde.

Beeindruckend sind auch die schlichten, „Den Opfern beider Weltkriege zum Gedenken“ errichteten Schiefertafeln neben der Eingangstür im Kircheninnern.

Entnommen aus Stefan Kritten (Hrsg. Gemeinde Morbach), Spurensuche - zwischen Hunolstein und Baldenau, November 1997

Bilder: Hermann Bohn