Geistliches Wort zum Advent


Tür Kirche



Geistliches Wort zum Advent


Türen und Tore gibt es, seit Menschen sich Häuser und Städte gebaut haben. Sie dienen seit jeher als Ein- und Ausgänge. Früher saßen an Stadttoren Torwächter, die darauf achteten, wer in die Stadt kommen durfte und wer nicht. Für große, bedeutende Häuser gab es Türwächter, die nur den aus-gewählten Besuchern den Eintritt erlaubten.

Türen und Tore können verschlossen sein, um Eindringlinge abzuhalten. Wenn die Tore einer Stadt verschlossen waren, fühlten sich die Bewohner sicher. Türen und Tore können aber auch offen sein. Offene Türen laden dazu ein einzutreten, um Gastfreundschaft zu erfahren.

Hinter verschlossenen Türen und Toren verstecken sich oft Geheimnisse. In vielen Märchen sind verschlossene Türen und Tore ein wichtiges Erzählelement, mit dem Spannung erzeugt wird. Oft sind diese verschlossenen Türen und Tore nur durch eine Zauberformel zu öffnen, wie zum Beispiel bei „Alibaba und die 40 Räuber“ mit: „Sesam öffne dich“.

Durch eine Tür zu gehen, hat aber nicht nur im Märchen eine ganz bestimmte Bedeutung. So  es früher üblich, dass der Bräutigam die Braut über die Schwelle trägt, wenn sie das erste Mal ihr eigenes Heim betreten. Oft wurden an Türpfosten auch rituelle Symbole gemalt, um Heil auf die Eintretenden herabzurufen. Um böse Geister abzuhalten wurden die Türpfosten mit Tierblut bestrichen. Noch heute kommen in vielen Teilen Deutschlands am Dreikönigstag, dem 6. Januar, Kinder und Jugendliche als die drei Weisen aus dem Morgenland verkleidet an die Haustüren. Dort schreiben sie C M B auf den Türrahmen, was bedeutet: „Christus Mansionem Benedicat“ - “Christus segne dieses Haus“, also auch eine Art Schutz für die Bewohner des Hauses bzw. der Wohnung.

„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit!“ Regelmäßig im Advent singen wir dieses Lied auch in unseren Pfarreien. Die Adventszeit ist sowieso eine Zeit der Türen. So wird vom 1. bis zum 24. Dezember jeden Tag ein Türchen am Adventskalender geöffnet. Wir müssen während der Adventszeit die Türen zu unseren Häusern und Wohnungen fest verschließen um die Kälte draußen zu lassen. Wir öffnen in dieser Zeit aber auch die Türen zu unseren Herzen und erwarten die Ankunft des Herrn.
Ich denke immer noch gerne an die Adventszeit meiner Kindheit. Da duftete das ganze Haus von Omas Plätzchen, und wir Kinder stritten darum, wer die nächste Kerze am Adventskranz zum morgendlichen Frühstück anzünden durfte. Im Rückblick erscheint mir diese Zeit zwar nicht als eine heile Zeit, in der es keine Probleme gab; aber ich habe sie in Erinnerung als eine wirklich heilige Zeit, eine besondere Zeit, ganz anderes als die übrige Zeit im Jahr.
Ich liebte es morgens in der Schulmesse (damals gab es die tatsächlich noch) in der alten Dorfkirche zu sitzen, noch ein bisschen Müde vom frühen Aufstehen. Es war ein Zauber in der Luft, in dem ich mich heimisch fühlte. Dicht an dicht saßen wir mit unseren warmen Pudelmützen und den Fausthandschuhen auf den harten Holzbänken, denn in der Kirche war es recht kalt und immer ein bisschen feucht. Für mich machte das alles einen Sinn und hatte seine Bedeutung. Keiner wäre auf die Idee gekommen, die Schulmesse zu schwänzen; es hätte Ärger mit den Eltern und dem alten Pfarrer gegeben, der uns in der Schule in Religion unterrichtete.

Türen zu öffnen, unsere Herzen zu öffnen und zu warten. Das ist auch ein Sinn des Advents. Nicht einfach in unserer schnelllebigen Zeit, in der fast jeder glaubt alles und immer sofort und gleich haben zu müssen.
Wenn wir uns wieder bewusst werden, dass Jesus, auf dessen Geburt wir warten, durch viele kleine und große Türen und Tore gehen muss, um zu uns zu kommen, wissen wir auch die verschlossenen Türen zu schätzen. Türen hinter denen Glaubensgeheimnisse auf uns warten und nicht zuletzt der, der Heil und Leben bringen wird. Wir müssen nur daran glauben.

Ihnen eine gesegnete und besinnliche Adventszeit
Ihr
Dr. Harald Müller-Baußmann, diac.

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Foto Tür: Privat