Geistliches Wort zu Pfingsten

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Wer am Kirchenjahr teilnimmt, weiß: Pfingsten ist die Geburtsstunde der Kirche mit der Ausgießung des Heiligen Geistes. Mit Pfingsten schlägt Gott ein neues Kapitel mit den Menschen auf. Die Kirche entsteht und das feiern wir bis heute. Sie wird nicht von Menschen gegründet wie ein Verein, vielmehr stiftet Gott die Kirche, damit die Menschen in ihr das Heilsgeschehen immer wieder neu bedenken und durchleben können.
Gottes guter und heiliger Geist leitet die Kirche auf ihrem spirituellen Weg durch die Zeit. Und das nun schon seit mehr als 2000 Jahren. Natürlich besteht die Kirche, die ja auch eine Institution ist, aus Menschen, die dort arbeiten und wirken wollen, die geweiht sind, einen Auftrag haben und all diejenigen, die die Kirche auch als eine Heimat begreifen, mit und in ihr beten, Gottesdienste feiern, beten und singen.
Kirche ist, um einen Begriff des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) zu benutzen als „Volk Gottes“ unterwegs. Alle getauften Katholiken sind dazu eingeladen, mitzuwirken und mitzugestalten.
Kirche schaffen und mit Leben füllen, ist  Aufgabe aller. Gerade in der heutigen Zeit, da im Bistum Trier ab dem Jahr 2020 nicht nur strukturell die Form unserer Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften geändert werden, sondern mit neuen Inhalten, seelsorglichen, caritativen und spirituellen Schwerpunkten von uns gefüllt werden dürfen. Zweifellos eine große Herausforderung.
Sehen wir das positiv! Wir rücken näher zusammen, obwohl die Territorien der zukünftigen Pfarreien weitaus größer geworden sind. Das mag beunruhigen, doch findet Kirche immer noch in unseren Dörfern statt. Wenn wir wollen. Schauen wir nicht auf Trier, die das schon irgendwie richten werden. Nein, schauen wir auf uns: unsere Bedürfnisse, Hoffnungen, Sehnsüchte, unseren Glauben, aber auch auf unsere eigene Gestaltungskraft.
Da müssen natürlich die Ärmel hochgekrempelt werden, wenn wir unser Verantwortlichsein wirklich beim Wort nehmen. Ich halte das Wort vom Altkanzler Helmut Schmidt, wonach diejenigen, die Visionen haben, zum Psychiater gehen sollen, für unangebracht und arrogant.
Visionen sind nicht zu verwechseln mit Illusionen. Die nämlich sind wirklich nur Luftblasen.
Ein Beispiel möchte ich für den positiven Wert von Visionen aufzeigen.
Ich träume (diesmal im positiven Sinne) von einer Kirche, die Heimat ist. Für alle, die sich zu Jesus Christus bekennen und ihn zu ihrem Leitfaden für ihr Leben machen. Die, wie die ersten Christen, im wahrsten Sinne des Wortes als Brüder und Schwestern im Glauben zusammenstehen.
Die auch mal streiten dürfen, die nicht immer einer Meinung sein müssen, die aber verbunden sind mit Jesus Christus und  unserer Kirche und durch ihn untereinander durch das unsichtbare Band des Heiligen Geistes eine Einheit bilden. Gottes Heiliger Geist, dessen Fest wir an Pfingsten feiern, will uns stark machen für unseren Glauben, aber auch die Kraft dazu geben, unangenehmen Dingen in unserem Alltag furchtlos zu begegnen.
Ich träume von einer Kirche, die Heimat ist. Heimat schenkt Geborgenheit, Sicherheit, kulturelle Einheit in alle Vielfältigkeit. Das ist zutiefst katholisch. Katholisch sein heißt sich der Welt nicht verweigern, sondern sie in unser Glaubensleben hineinzunehmen. Es gilt nicht das Prinzip: Hier Kirche, hier Welt. So funktioniert das nicht. Unser Glaube soll vielmehr unser ganzes Leben durchdringen wie eine durchlässige Membran. Ich kann nicht im Gottesdienst Glaubender sein, wenn ich mich im Alltag alles andere als christlich verhalte. Ich muss den Anderen im Blick behalten, ich muss die christlichen Werte – vor allem die Barmherzigkeit auch anderen gegenüber – glaubhaft vertreten.
Das alles ist nicht einfach, aber einfach einzuüben. Das braucht Zeit, Geduld und den Willen auch im Scheitern immer neu anzufangen. Gott gibt uns nicht auf. Und wenn wir hundert Mal an uns selbst, an den Verhältnis oder an anderen scheitern. Gott hält zu uns und sagt, wie zu dem Propheten Elias, der sich selbst und sein Leben aufgeben und sterben wollte: Steh auf und iss, sonst ist der Weg zu weit für dich (1 Könige 19)
Ich träume von einer Kirche, die Heimat ist. Im Miteinander, in Gesprächen, im Feiern von Gottesdiensten und auch weltlichen Festen.
Was aber ist Heimat? Ich kann es in einem Satz sagen:
Heimat ist dort, wo ich im Dunkeln keine Angst habe. Wo ich mich gehalten weiß, aufgehoben, geliebt und als wertvoll und einmalig angesehen werde.
Mit Hilfe des Heiligen Geistes Gottes sind wir nicht alleine gelassen.


Herzlichst Ihr

Dr. Harald Müller-Baußmann